Hier entsteht eine Beschäftigung mit dem Surrealismus

Die Kunst ist keine Unterwerfung, sie ist Eroberung
Eroberung wovon?
Der Gefühle und der Mittel, sie zum Ausdruck zu bringen.
André Breton (1896-1966)
Mitbegründer und Theoretiker des französischen Surrealismus


Was ist Surrealismus? Bei dem Versuch einer Definition greift André Breton 1924 im "Ersten Manifest des Surrealismus" zu einer dem Stil von Lexika und Wörterbüchern angeglichenen Formulierung:
"SURREALISMUS - Reiner psychischer Automatismus, durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede andere Weise den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen oder ethischen Überlegung.
ENZXKLOPÄDI. Philosophie. Der Surrealismus beruht auf dem Glauben an die die höhere Wirklichkeit gewisser, bis dahin vernachlässigter Assoziationsformen, an die Allmacht des Traumes, an das zweckfreie Spiel des Denkens. Er ziehlt auf die entgültige Zerstörung aller psychischer Mechanismen und will sich zur Lösung der hauptsächlichen Lebensprobleme an ihre Stelle setzen. Zum absoluten Surrealismus haben sich bekannt: Aragon, Baron, Boiffard, Breton, Carrive, Crevel, Delteil, Desnos, Eluard, Gérard, Limbour, Malkine, Morise, Naville, Noll, Péret, Picon, Soupault, Vitrac."

Surrealisten

Surrealisten in Paris

In den frühen 20er Jahren zersplittert sich die Dada-Bewegung. Einige Künstler suchen die psychoanalytischen Erkenntnisse des zu Weltruhm gelangenden Arztes Sigmund Freud über das Unbewußte auf die Kunst anzuwenden. »Kunst ist vielleicht die sichtbarste Wiederkehr des unterdrückten Bewußtseins« (Freud). Während des Schaffensprozesses tritt die sichtbare Wirklichkeit weitgehend vor der ebenso wirklichen,- wenn auch nicht sichtbaren Traumwelt (surrealite) zurück. Die Surrealisten entwickeln Methoden, um den kontrollierenden Verstand auszuschalten und die Erlebnisfähigkeit zu erweitern.

Die Surrealisten zeigen die Hintergründigkeit der Dingwelt, indem sie die traditionelle Formensprache bruchstückhaft oder verzerrt übernehmen und in einen ungewohnten Zusammenhang bringen. Sie bilden Einzelheiten teils photogetreu ab, teils formen sie diese seltsam um und fügen sie in einer überraschenden, der sichtbaren Wirklichkeit widersprechenden Weise zusammen. Die Welt der Surrealisten, in der die Grenzen zwischen Mensch, Tier, Pflanze und leblosem Gegenstand aufgehoben sind, übt eine magische Wirkung aus.

Der Surrealismus war eine Bewegung in der Literatur und bildenden Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die versuchte, das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und in der Kunst darzustellen.
Das Wort „Surrealismus“ bedeutet wörtlich „über dem Realismus“ oder „jenseits des Realismus“. Die vom französischen Schriftsteller und Kritiker André Breton seit 1921 in Paris geführte surrealistische Bewegung suchte die eigene Wirklichkeit des Menschen im Unbewussten und verwertete Rausch- und Traumerlebnisse als Quelle der künstlerischen Eingebung, und sie bemühte sich darum, das Bewusstsein und die Wirklichkeit global zu erweitern und alle geltenden Werte umzustürzen. Sie ist daher eine anarchistische revolutionäre Kunst- und Weltauffassung.

Bevorzugte Arbeitsweisen waren:

  • Bewusstsein durch Traum, Schlaf oder Rauschmittel abschalten und Unbewusstes in einem automatischen, nicht gesteuerten Schaffungsprozess zum Ausdruck kommen lassen
  • übergenaue Malweise (Ölmalerei)/Verfremdung/Kombination unmöglicher Dinge und Zustände, welche die Wirklichkeit übersteigen.

Man kann den Surrealismus in 2 Unterarten unterteilen:

  1. veristischer oder auch kritisch-paranoischer Surrealismus (Vereinigung nicht zusammengehöriger Dinge, verdrehte Perspektiven, wie man sie z. B. von Salvador Dalí kennt)
  2. abstrakter oder absoluter Surrealismus (dasselbe Prinzip wie oben genannt nur ohne jeglichen Realismus, wie z. B. in Bildern von Joan Miró

Viele andere Gruppen und Einzelpersonen, die Breton nicht direkt zuzuordnen sind haben sich dem Label „Surrealismus“ angeschlossen.

so zum Beispiel:

  • die Tschechische Surrealisten Gruppe in Prag
  • Chicago Surrealist Group
  • Revolutionary Surrealist Group
  • Offen erkennbar vom Surrealismus beeinflusst sind Asger Jorn, Charls Radcliffe und Raoul Vaneigem, während andere wie Guy Debord ausgesprochen anti-surrealistisch sind.
  • Jüngerer Art sind surrealistische Gruppen wie das „International Massurrealism Movement“ Bewegung, die ihre Inspiration im 21.Jahrhundert suchen, jedoch historische und technische Wurzeln beibehalten. Eine der kontroversesten Bewegungen des 21. Jahrhunderts ist allerdings die Bewegung des „Offalismus“, die von Offalmeister, Verleger und Künstler Breuk Iversen aus Williamsburg, Brooklyn, kreiert wurde. Der weltweit wichtigste Experte in Sachen „Zeitgenössischer Surrealismus“ sieht den Offalismus klarerweise als wichtigen Typus des konzeptualen Surrealismus des 21. Jahrhunderts neben dem Massurrealismus.
  • Ebenso finden wir gegenwärtige Surrealismus-Gruppen in Portland, Chicago, Honolulu, Minnesota, Wisconsin und St. Louis. Internationale Gruppen von Surrealisten finden sich in Canada, London, Argentinien, Chile, Polen, Russland, Griechenland und Italien.
  • Auch in Europa findet man viele Maler des zeitgenössischen Surrealismus.